See(h)räuberbrillen

See(h)räuberbrillen ?

Auf den ersten Blick sieht der „Kamerad“ auf dem Bild nur mit einem Auge. Na ja, werden Sie denken, wer sieht denn so (und auch noch so „aus“!), und, wer macht denn „solche“ Brillen?!

Im übertragenen Sinne gibt es das aber so ungefähr - und wir möchten an dieser Stelle versuchen, für Sie etwas „Licht in das Dunkel“ der sogenannten Prismenbrillen
zu bringen.

Also:

Prismenbrillen

Hinter diesem Begriff verbergen sich spezielle Brillenglaskorrektionen, die für viele Menschen von großem Nutzen sein können.

Nämlich können nicht alle Menschen mit beiden Augen gleichzeitig, gleichwertige Bilder an den dafür vorgesehenen Stellen im Auge empfangen und diese dann auch nicht gleich gut im Gehirn zu einem idealen Bildeindruck verarbeiten. (Wir sehen ja nicht mit den Augen, sondern mit dem Gehirn.)

Die Ursachen dafür sind: Nicht vom Individuum selbst regulier- oder kompensierbare Ungleichheiten der anatomischen oder sensorischen „Konstruktion“ des jeweiligen Menschen, was die Augen und die Lage der Bilder in den Augen betrifft.

In der Praxis bedeutet das: Normalerweise schaut unser Augenpaar immer mit unterschiedlichen Winkeln zu einem Objekt. Dadurch ist räumliches Sehen möglich – denken Sie dabei an dreidimensionale Bilder - wie sie zum Beispiel in speziellen Büchern zu finden sind.

Wenn diese „Winkel“ nicht (oder nur mit beschwerlicher Anstrengung) exakt eingehalten werden können, gelingt die räumliche Wahrnehmung nicht perfekt (oder eben nur mit unangenehmen Begleiterscheinungen) - bis hin zu Doppelbildern.
Diese läßt unser Gehirn aber in der Regel nicht zu - und „reguliert“ die Seheindrücke der Augen (mehr oder weniger unauffällig) dergestalt, daß ein Auge - auf Kosten räumlichen Sehens (sozusagen als Gegenmaßnahme zur Vermeidung von Doppelbildern) - praktisch „abgeschaltet“ wird. Dabei sieht das „unterdrückte“ Auge freilich, das Bild wird nur nicht exakt mit dem des anderen ausgewertet.


Durch solche mehr oder weniger anstrengenden Ausgleichsmechanismen gelingt es den meisten Menschen nun,  ungleichwertige Seheindrücke („Doppelbilder“) zu vermeiden, indem zum Beispiel durch Muskeleinsatz der äußeren Augenmuskeln (dem „Ausrichten der Augenachsen“) die Bilder einfach dahin transportiert werden, wo sie im Auge „hingehören“.


Dieser Umstand macht etwa 20-30% der Menschen Schwierigkeiten, mit denen aber viele sich irgendwie (durch erlernte und trainierte Vermeidungsstrategien bei bestimmten Sehtätigkeiten), teilweise sogar langfristig arrangieren können - bis hin zur (unauffälligen) Auswertung von nur einem Bild im Gehirn. Dieser Vorgang ist „von außen“ nicht sichtbar, also der Mensch „schielt“ nicht.


Schielen dagegen ist eine krankhafte Sache - und gehört nicht zu diesen Erscheinungsbildern und vor allem gehören Menschen mit (manifestem) Schielen augenärztlicher und/oder neurologischer Behandlung zugeführt. Bei Kleinkindern ist dabei zusätzlich auch an bewegungstherapeutische Behandlung zu denken.

Wenn die Kompensationsfähigkeiten zur Vermeidung von Doppelbildern scheinbar ausreichen, „spürt“ der Mensch – zumindest „an den Augen“ – zunächst gar nichts.

Andere Störungen, wie schnelle Ermüdung bei statischen Sehaufgaben (z.B. immer gleiche Sehentfernung wie am Bildschirm oder beim Fernsehen), Lichtempfindlichkeit, Unsicherheit beim nächtlichen Autofahren – um nur Einiges zu nennen – werden oft „dem Sehen/der Brille“ nicht zugeordnet.

Warum auch, denn die „Brille“ ist ja, dank vieler „Messungen“, (scheinbar) in Ordnung.

Besonders bei Kindern wird häufig von „Adleraugen“ berichtet, was für jedes einzelne Auge dieses Kindes durchaus richtig sein kann. Trotzdem gibt es vielfältige Seh-Beschwerden und Sehstörungen bei Kindern, die zum Beispiel auf ungenaue Blicksteuerung zurückzuführen sind - oder eben auf oben beschriebene Abweichungen.

Dadurch wird viel zusätzliche Energie gebraucht, und wenn man bedenkt, daß nahezu 90% der Information für unsere kleinen Mitmenschen allein über den „Sehkanal“ ins Gehirn gelangen, erklären sich oft Schwierigkeiten in der Schule, beim Sport und anderen Anlässen.

Also müssen Kinder unbedingt so früh wie möglich zum Augenarzt, um krankhafte Zustände aufzudecken und eventuell nötige Behandlungen einzuleiten. Es ist für die Kinder später nicht lustig, wenn sie so einen niedlichen „Silberblick“ als Baby hatten und leider nichts unternommen wurde!

Die weiter oben beschriebenen Dinge, also selbst kompensierbare, nicht krankhafte, Abweichungen vom idealen beidäugigen Sehen, kann man aber erkennen - und korrigieren, wenn es nötig ist.

Solche Korrektionen mit prismatischen Brillengläsern (das ist unabhängig davon, ob sonst eine „Glasstärke“ gebraucht/benutzt wird oder nicht) können wir für Sie machen.


Wir benutzen dazu die MKH (Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J.Haase), eine Technik die in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an der Staatlichen (Berliner) Fachschule für Optik und Fototechnik von dem damaligen Dozenten Hans-Joachim Haase entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um eine von methodischen Fehlern freie Messtechnik, mit der Winkelfehlsichtigkeit gemessen und gegebenfalls korrigiert werden kann.

Diese Messtechnik und entsprechende Korrektionen sind nach der Meinung des Berufsverbandes der Augenärzte „strittig“, leider bis hin zu oft und gerne von diesem Berufsverband induzierten “Scharmützeln” (Prozessen), wie der Vorsitzende öffentlich zugibt.

Dagegen sprechen freilich zig-tausend erfolgreiche Korrektionen, seit nunmehr 50 Jahren. Vielleicht hat es aber einfach damit zu tun, daß diese Messtechnik, einschließlich der dazu erforderlichen Gerätschaft, von Augenoptikern, also von der Optometrie - und nicht von Medizinern entwickelt, und in Deutschland bis heute auch nur von und für Augenoptiker gelehrt wurde und wird. In der Schweiz gehört diese Messtechnik sowohl zur Ausbildung der Augenoptiker und der Augenärzte.

Solche Messungen erfordern außer der Gerätschaft und dem Know-How auch verhältnismäßig viel Zeit. Außerdem kann nur durch einen Trageversuch mit einer den Verhältnissen der Messung entsprechenden Brille herausgefunden werden, ob allfällige Besonderheiten und/oder sogar Beschwerden damit in Zusammenhang zu bringen sind.

Informieren Sie sich am Besten selbst: Bei der angegebenen Website des „BVA“ und auch auf den Seiten der „Internationalen Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion“ , in der, nebenbei bemerkt, außer Augenoptikern auch Augenärzte mitarbeiten. Es gibt auch eine spezielle Internetseite zur Winkelfehlsichtigkeit.

Also, obwohl das Sehvermögen des „Se(h)räuber‘s“ auf dem Bild die Sache vielleicht etwas zu dramatisch darstellt: Bei vielen Menschen kommen - mit oder ohne Brille -, die weiter oben beschriebenen Dinge vor. Und die Natur bietet solchen Unvollkommenheiten mit dem „Trick“ des Selbstausgleiches manchmal sogar ganz gut Paroli. Aber eben nur: Scheinbar.


Wir stehen Ihnen auch in diesen Dingen gerne mit unserer ganzen Kompetenz und Erfahrung als Augenoptiker zur Verfügung. Vereinbaren Sie deshalb einen Termin bei uns für Ihre Beratung.

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